Alpenschutzverein

Naturnahe Waldentwicklung

Naturnahe Waldentwicklung

Über eine naturnahe Waldentwicklung lässt sich gut streiten. Wie bei vielen anderen Themen spielt immer der persönliche Blickwinkel eine entscheidende Rolle. In diesem Beitrag möchte der AlpenSchutzVerein zwei unterschiedliche Sichtweisen gegenüberstellen. Zum einen die Sichtweise von Franz Ströhle in seinem Leserbrief in den VN. Zum anderen die Erwiderung in einem weiteren Leserbrief von Thomas Ölz, Dornbirn.

Es steht nun den Leser*innen frei, daraus ihre eigenen Schlüsse zu ziehen.

Leserbrief in den VN:

Naturnahe Waldentwicklung

In ihrem VN-Leserbrief unter diesem Titel vom 2.10.2026 findet es Frau Rickmann lobenswert, wenn der Forststraßenbau und der Uferschutz zukünftig weitgehend ohne naturschutzrechtliche Bewilligung ermöglicht werden. Permanent wird suggeriert, nur ein bewirtschafteter, verjüngter Wald wäre vital und gesund. Dies ist leider nur Propaganda der nutzungsorientierten Forstwirtschaft. Die ökologisch wertvollsten und gesündesten Wälder sind jene, in die der Mensch nicht hineinpfuscht und die er in Ruhe lässt. Die für jeden Waldbesitzer angedachte Möglichkeit, jährlich 400 m Lkw-taugliche Forststraße ohne naturschutzrechtliches Verfahren umzusetzen, ist eine gefährliche Drohung für eine intakte Landschaft, die letzten natürlichen Waldgebiete und die raren Ruhezonen. Damit wird nicht nur viel Wald vernichtet, das innere Waldklima gestört und Angriffsmöglichkeiten für Sturmereignisse und Hangrutschungen geschaffen, sondern nebenbei werden auch noch qualitätsvolle Waldwanderwege eliminiert. Es spricht wenig gegen eine vernünftige Waldnutzung durch Plentern. Es muss deshalb aber nicht jedes Waldgebiet unter die Räder kommen und ausgebeutet werden. Das Holz in großem Stil zu verbrennen, ist sowieso ein Humbug. Nicht alles, was als naturnahe Waldentwicklung angepriesen wird, ist für einen ökologisch intakten Wald auch gedeihlich. Mehr natürliche Wälder statt nur naturnaher wäre ein schönes Ziel.

Franz Ströhle, Alpenschutzverein für Vorarlberg, Dornbirn

Leserbrief in den VN:

Wertschätzung für vorbildliche Waldbewirtschaftung

Ich muss Franz Ströhle in seinem Leserbrief vom 8. Oktober entschieden widersprechen. Ein flächendeckendes Nichtstun würde zu überalterten und strukturschwachen Wäldern führen. Keine gute Strategie für die bei uns existenziell wichtigen Schutzwaldwirkungen. Und das im Klimawandel mit immer stärkeren Extremereignissen. Außerdem bringen bewirtschaftete Mischwälder durch ihren Strukturreichtum – und das müsste ganz im Sinne des Alpenschutzvereins sein – eine sehr hohe Biodiversitätsleistung. Daneben kann ein bei uns nachhaltig nachwachsender Rohstoff geerntet werden, der mit seiner CO2-Speicherung und Substitutionswirkung einen nicht unwesentlichen Beitrag für die Klimaschutztransformation leistet. Sicher kein “Humbug” ist die Verwendung unseres klimaneutralen Energieträgers. Durch den Ersatz von Gas aus Russland oder Öl über die Straße von Hormus kann jeder Anwender/in mit einem sehr guten Gewissen einen klimapositiven Beitrag leisten. Wir Vorarlberger Waldbesitzer/innen beweisen mit der traditionellen naturnahen Waldbewirtschaftung einen verantwortungsvollen Umgang seit Jahrzehnten. Da braucht es keine zusätzlichen bürokratischen gesetzlichen Regeln, sondern weniger. Wir haben hier Vertrauen verdient und fordern entsprechende Wertschätzung ein. Zum Beispiel im Uferschutzbereich braucht es keine zusätzlichen bürokratischen und doppelgleisigen naturschutzrechtlichen Bewilligungspflichten. Und auch Forststraßen, deren Errichtung jetzt etwas erleichtert werden soll, gewährleisten eine kleinflächige und naturnahe Waldbewirtschaftung, die sogar von Ströhle als vernünftige Waldnutzung bezeichnet wird (“Plenterung”).

 

Thomas Ölz, Dornbirn

 

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