Schon ein altes Kinderlied besang diese mörderische Art des Naturschutzes: „Fuchs du hast die Gans gestohlen, gib sie wieder her. Sonst wird dich der Jäger holen, mit dem Schießgewehr!“ Heute wird dies unter der „schwarz-blauen“ Regierung wieder Mode. Die Flinte als Problemlöserin.
- Die Pfeifenten fressen das Gras der Bauern – abschießen!
- Die Kormorane die Fische der Fischer – abschießen!
- Die Bieber bauen Dämme – abschießen!
- Die Fischotter fressen Fische – abschießen
- Die Wölfe reißen Schafe – abschießen!
- Die Gänsesäger fressen Fische – abschießen!
- u.v.a.m.
Dies erinnert an dunkle Zeiten der Vergangenheit. Alles hat sich den Bedürfnissen der Menschen zu richten, ansonsten wird er entnommen.
Was macht die Regierung mit den Folgeproblemen der Klimakatastrophe? (Laut AGES gab es dieses Jahr mit bereits 3 Hitzewellen knapp 400 Hitzetote allein im Juni. Doch das ist nur der Anfang.)
- Sie planen und bauen Autobahnen und Schnellstraßen um Milliarden!
- Sie bauen die Tunnelspinne um hunderte Millionen!
- Sie bauen Autobahnrastplätze auf Kosten von Auwäldern!
- Sie planen Ortsumfahrungen!
- Sie vergrößern Kreisverkehre!
- Sie erlauben den Bau von riesigen Parkplätzen ohne Naturschutzüberprüfung!
Eine Politik mit Verantwortung für Mensch und Natur bedeutet auch, dass die handelnden Politiker Verantwortung für ihr Fehlverhalten übernehmen müssen. Leider sind sie alle nicht mehr in Amt und Unwürden, wenn die Klimakatastrophe noch unbarmherziger zuschlägt. Daher müssen wir sie bei der nächsten Wahl abstrafen, damit sie nicht noch mehr Unheil anrichten können.
Einige Leserbriefe der letzten Tage in den VN.
Gäste dezimieren
Dass Wildtiere von Amts wegen als Schädlinge rücksichtslos behandelt und verfolgt werden, ist ja nicht neu. Dass seit Neuestem auch die streng geschützten Pfeifenten (Mareca penelope), die den Bodensee als Wintergäste aufsuchen, bis zu 300 vorwiegend männliche Individuen im Jahr abgeschossen werden sollen, aber schon. Bei der BH Bregenz angesucht ist eine vorübergehende Ausnahme der ganzjährigen Schonung von 2026 bis 2029. Die beeindruckend schönen Pfeifenten halten sich von Oktober bis März im Rheintal auf und weiden angeblich die Wiesen großflächig ab. Die gleichen Rheintalwiesen, die vom Menschen so ausbeuterisch und naturwidrig bewirtschaftet werden, dass nur noch eine blütenlose grüne Wüste zurückbleibt. Das Heu, mit bis zu 10 Schnitten pro Saison geerntet, wird größtenteils gewinnbringend in die Schweiz verkauft, die Förderungen dafür aber von der EU kassiert. Ausnahmen zum Schutz der Pfeifenten sind gemäß Art. 9 Abs. 1 der EU-Richtlinie nur dann zulässig, wenn ein Rechtfertigungsgrund vorliegt und keine andere zufriedenstellende Lösung zur Abwendung von Schäden vorliegt (Alternativlösung). Zusätzlich zum Abschuss soll noch die Vergrämung durch Jäger mit Hunden und Vogelscheuchen praktiziert werden. Die Jäger, die sich selbst gerne als Heger sehen, können sich nun neben den ausgestopften Birkhähnen fortan auch an ausgestopften Pfeifenten ergötzen.
Franz Ströhle, Alpenschutzverein für Vorarlberg, Dornbirn
♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦
Pfeifenten dürfen nicht ins Gras beißen
Das Rheindelta ist der wichtigste Überwinterungsplatz für Pfeifenten in Mitteleuropa. Die Vögel brüten in den nordischen Ländern und verbringen den Winter am Bodensee. Da sie reine Vegetarier sind, kommen sie zum Fressen auf die ufernahen Wiesen. Landwirte geben den dadurch entstandenen Schaden mit 1500 kg Gras pro Tag an. Dies wären in den drei Wintermonaten der Anwesenheit 135 Tonnen! Um diesen Schaden zu verhindern, sollen jedes Jahr bis zu 300 dieser Vögel geschossen werden. Das Ansinnen allein ist haarsträubend! In einem der reichsten Länder der Welt ist kein Geld für eine Entschädigung der Landwirte vorhanden! Es gibt bessere Lösungen als einen Haufen toter Vögel!
Günther Ladstätter, Naturschutzbund Vorarlberg, Bregenz
♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦
Pfeifenten: Gras gegen Leben?
135 Tonnen Gras – dafür sollen bis zu 300 Pfeifenten jährlich ihr Leben lassen? Diese Rechnung aus dem Rheindelta wirft Fragen auf. Die aus dem hohen Norden kommenden Pfeifenten nutzen den Bodensee als eines der wichtigsten Winterquartiere Mitteleuropas. Die Vegetarier finden auf den ufernahen Wiesen ihre Nahrung. Doch statt nach einem Ausgleich zwischen Landwirtschaft und Naturschutz zu suchen, soll erneut die Flinte entscheiden. Ein international bedeutendes Schutzgebiet sollte Vorbild für Lösungen sein, nicht für Abschüsse. Mit Wissen, Dialog und geeigneten Maßnahmen lässt sich mehr erreichen als mit toten Vögeln.
Werner König, Obmann Ornithologischer Verein Die Drossel, Lustenau