Alpenschutzverein

Welttag des Naturschutzes

Der Begriff „Naturschutz“ entstand bereits im 19. Jahrhundert mit der Entdeckung der Natur als Erholungsraum und als Reaktion auf die mit der Industrialisierung verbundenen Zerstörung von Natur und Landschaft. Dabei wurde auch über das „Recht der Wildnis“ diskutiert. In den Nachkriegsjahren wurden die Folgen der rasanten Industrialisierung und der Wirtschaftswunderjahre, befeuert durch billiges Öl und Gas, immer deutlicher sichtbar: Verschmutzte Gewässer, DDT in den Nahrungsketten und Smog in den Städten. Dies förderte die Entstehung einer Umweltbewegung, die auf diese Folgen menschlicher Eingriffe aufmerksam machte.

Manchmal geraten Umwelt- und Naturschutz in Konflikt. Wenn ein Fluss zur Erzeugung erneuerbarer Energie genutzt wird, reduziert dies den CO₂-Ausstoß. Aus Sicht des Naturschutzes sollte dieser Fluss jedoch als wichtiger Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten unberührt bleiben. Billige fossile Energieträger befeuern die Globalisierung und damit auch den Ausstoß von schädlichen Klimagasen. Gleichzeitig wird sie als Grund für unseren sogenannten Wohlstand in unseren Industrienationen verkauft. Die Renaturierung von Lebensräumen wird im Globalen Süden begrüßt, auf dem eigenen Grundstück möchte man sich dagegen möglichst wenig vorschreiben lassen.

In dieser Gemengelage stellt sich die Frage, welchen Stellenwert bekommt im Angesicht der drohenden Klimakatastrophe der Umwelt- und Naturschutz, wenn wissenschaftlich abgesicherte Erkenntnisse zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen den eigenen Interessen im Weg stehen. Über diese Fragen sollten wir am 28. Juli, dem Welttag des Naturschutzes, nachdenken und unsere Zukunft und die unserer Kinder und Enkelkinder nicht aus dem Auge verlieren.

Leserbrief für die VN:

Welttag des Naturschutzes

Welchen Stellenwert hat der Naturschutz in Vorarlberg. Der 28. Juli steht als Welttag des Naturschutzes ganz im Zeichen des aktiven Erhalts unseres natürlichen Lebensraums und seiner Ressourcen. Wenn ich jedoch das Ranking der VN über die einflussreichsten Menschen in Vorarlberg studiere, dann stellt sich die Frage: Wer nutzt diesen Einfluss für den Naturschutz? Die Bewertungskriterien sind stark kapitalistisch geprägt. Da geht es vor allem um politische Macht, die sich leider zu stark der wirtschaftlichen Macht unterordnet. Soweit so schlecht. Beim Kriterium „Innovationskraft und Zukunftsorientierung“ frage ich mich, ob die Zerstörung der Natur, die Verweigerung der Transformation aufgrund der sich anbahnenden Klimakatastrophe und die Aushöhlung der Demokratie überhaupt eine Rolle gespielt haben. Macht wird vor allem von Männern aus Wirtschaft und Politik ausgeübt. Der Naturschutz ist mit Platz 29 (Katharina Lins) und Platz 69 (Hildegard Breiner) gerade noch erkennbar. Die mächtige Verbindung von Wirtschaft und Politik macht weiter wie bisher, nutzt die ihnen von den Menschen im Lande verliehene Macht für die sogenannte Entbürokratisierung (Zerstörung der letzten Leitplanken für die Umwelt) und die schleichende Aushöhlung unserer Demokratie. Am Welttag des Naturschutzes dürfen die Naturschutzorganisationen ihre Degradierung feiern. Wann entfaltet die Gesellschaft endlich ihre Macht?

Erich Zucalli, 1. Vorsitzender AlpenSchutzVerein für Vorarlberg

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